Ihre Rüstungen sind dick und ihre Schilde breit - Castoren unter der Lupe

Aktualisiert: 19. Juni

44 Zentimeter dicker Spezialstahl. Mehr als 100 Tonnen schwer und zu einem Stückpreis von zwei Millionen Euro käuflich zu erwerben. Radioaktiver Atommüll kommt nicht einfach in die Biotonne, klar. Doch ein Blick auf die technischen Daten eines Castor-Behälters zeigt, wie groß die Ansprüche der Menschen an eine sichere Lagerung des Atommülls sind und verrät sie auch ein wenig in ihrer Furcht vor einer unerwünschten atomaren Zeitbombe für die Nachwelt. Wer mit dem Teufel tanzt, braucht eben einen langen Atem.
Der Kran verrät es: 125 Tonnen. Hier ist schweres Gerät erforderlich.
Das Lager der GNS in Mühlheim. Foto: GNS

30 Monate. So lange benötigt das deutsche Unternehmen GNS (Gesellschaft für Nuklearservice mbH), um einen Castor-Behälter herzustellen. „In der Zeitspanne passiert aber alles, von der Bestellauslösung bis zur Auslieferung an den Kunden“, sagt Michael Köbl, Leiter Kommunikation der GNS-Gruppe.


CASTOR® ist eine geschützte Marke der GNS und kommt aus dem Englischen: „Cask for Storage and Transport of Radioactive Materials“. Auf Deutsch bedeutet das „Behälter für die Lagerung und den Transport radioaktiven Materials“. Michael Köbl spricht Klartext: „Castor ist eine Marke, nur die GNS darf Behälter für Atommüll Castor-Behälter nennen“. In Deutschland ist die GNS in ihrem Geschäftsbereich ein Monopolist, also ohne Konkurrenz am Markt.


XXXL in allen Bereichen

Herzstück eines Castors ist ein dickwandiger Sphäroguss-Behälterkörper mit Stückgewichten von 30 bis 160 Tonnen. Der Wanddurchmesser beträgt bis zu 45 Zentimeter. Ein Castor hat eine Höhe zwischen vier und sechs Metern. Weltweit sind bereits mehr als 1.500 dieser Container bestückt und eingesetzt. „Für den Atommüll, der in deutschen Atomkraftwerken noch anfällt, benötigen wir vermutlich noch weitere 200 Stück“, so Köbl.


Der Aufbau eines Castors®

Sphäroguss ist eine Eisen-Kohlenstoff-Legierung. Sie zeichnet sich durch ihre Dehnfähigkeit bei gleichzeitig hoher Zugfestigkeit aus. Die Vorteile ergeben sich dadurch bei dynamischen Beanspruchungen wie dem Transport, bei denen Verformungen zu Schäden führen können. Wenn ein beladener Castor beim Transport beschädigt wird, wäre das mit fatalen Folgen für umliegende Gebiete verbunden.

Ein Castor beim Verladen vom Zug aufs Schiff. Dass ein Castor aus dieser Höhe auch herunterstürzen kann, wird in einer Testreihe berücksichtigt. Foto: GNS

Mehr Test geht nicht

Damit Castoren ihren Zweck erfüllen und ihrem sicheren Ruf gerecht werden, unterzieht das BAM (Bundesamt für Materialforschung – und Prüfung) sie den extremsten Bedingungen in den verschiedensten Szenarien. Dabei werden drei Arten von Tests durchgeführt.


1) Falltests

Hier wird der Behälter aus neun Metern Höhe auf ein unnachgiebiges Fundament fallen und zwar so, dass es zum größtmöglichen Schaden kommt. Besteht der Castor den ersten Testteil, geht es in die zweite Runde. Jetzt fällt der Behälter aus einem Meter Höhe auf einen festen Stahldorn von 15 Zentimetern Durchmesser und 20 Zentimetern Höhe. Zum Video der Testreihe geht es hier entlang.


2) Thermische Tests

Im April 1999 wurde ein Unfallszenario simuliert, bei dem ein Castor die Explosion eines mit Propan gefüllten Kesselwagens überstehen musste. Der Kesselwagen stand nur eine Autolänge entfernt neben dem Castor. Der Feuerball der Explosion war über 150 Meter hoch, Einzelteile des Propantanks flogen bis zu 200 Meter weit. Das spektakuläre Video des Versuchs finden Sie hier.


3) Simulation eines Flugzeugabsturzes

Anfang der 80er-Jahre wurde in Deutschland ein Flugzeugabsturz auf einen Castor simuliert. Zu diesem Zweck wurde der Behälter mit einem Flugkörper beschossen. Der Versuch wurde ebenfalls gefilmt.


Sicherheit und Schutz – von Menschen für Menschen

Atom-Katastrophen sind ein Albtraum des Menschen. Die mediale Berichterstattung über Tschernobyl und Fukushima hat sich in die Gedanken der Menschen eingebrannt. Obwohl die Energiegewinnung in einem Atomreaktor faszinierend sein kann, ist der Umgang mit den entstehenden Abfallprodukten heikel.

So geht es nicht. Diese Behälter haben nichts mit Castoren gemeinsam. Foto: Recognized Productions / Pexels

Ob Atomenergie grundsätzlich etwas Falsches ist, dazu möchte sich Michael Köbl nicht äußern. „Wir beteiligen uns als Unternehmen nicht an der Diskussion um die Nutzung der Kernenergie insgesamt. Denn einen Reifenhersteller fragt auch niemand ob er Autos gut oder schlecht findet“, sagt er abschließend.


von Alexander Richter

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